Die Kohlenstoffspeicher der Böden wieder auffüllen

Wie die Landwirtschaft unsere Klima- und Umweltprobleme lösen kann und wie das über ein effektives Klimaschutzprogramm erreicht werden kann.

Diese Initiative wird für die Abstimmung finalisiert.

Initiator*innen
Stephan Enge
done
Guido Drehsen
done
Jochen Walter
done
Veröffentlicht am
14. Dezember 2018
Bereich
Umwelt, Mobilität, Infrastruktur & Strukturentwicklung
Einordnung
Einzelinitiative
Ebene
Bund

“Böden sind die größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher und übernehmen eine wichtige Funktion bei der Freisetzung oder Fixierung klimarelevanter Gase wie Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4)” ([1], Quelle: Umweltbundesamt).

Tatsächlich sind in unseren Böden weltweit 2400 Gigatonnen Kohlenstoff gebunden ([2], Quelle: WWF Boden-Bulletin). Umgerechnet sind das über 7000 Gigatonnen gebundenes Kohlendioxid, auch CO2 genannt. Diese Menge entspricht mehr als dem 200-fachen der jährlich durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen ([3], Quelle: NASA - The Carbon Cycle). Dieser Kohlenstoff befindet sich im wesentlichen im Humus, dem organischen Anteil des Bodens.

Durch einen möglichst weltweiten Aufbau von Humus ließen sich auf natürliche Weise alle weltweiten CO2-Emissionen kompensieren und damit auch unsere Klimaziele erreichen. ([4], Quelle: 4promille-Initiative).

Und quasi nebenbei ließe sich mit dieser Methode die Bodenfruchtbarkeit verbessern und Dünger einsparen. Dadurch wird zusätzlich CO2 eingespart und gleichzeitig trägt dies einen wesentlichen Teil der Kosten. Die Politik hat jedoch bisher in diesem Bereich nichts unternommen. Obwohl es bereits einige Initiativen ([5] 4promille Forschung, [6] Soilsolution) gibt, die in einer nachhaltigen Landwirtschaft eine der effektivsten Methoden zur Eindämmung des Klimawandels sehen.

Problembeschreibung

Die oberste, nährstoffreiche Schicht des intakten Erdbodens, welche die Basis für den Anbau von Nutzpflanzen ist, besteht zu einem gewissen Anteil aus organischer Masse, die Humus genannt wird. In ihr zersetzen Mikroorganismen abgestorbene Pflanzenreste in ihre Bestandteile, welche dadurch wieder als Nährstoffe für lebende Pflanzen zur Verfügung stehen. Ein hoher Humusgehalt ist damit charakteristisch für eine hohe Fruchtbarkeit des Bodens. Wir können vereinfacht gesagt an der Farbe des Bodens ganz grob den Humusgehalt erkennen: je dunkler ein Ackerboden, desto mehr Humus hat der Boden.

Durch intensive Landwirtschaft verlieren die meisten Böden kontinuierlich an Humus, da z.B. allein durch das Pflügen das Mikroklima des Humus gestört wird und der Boden regelrecht "ausgast". Auch die auf hohen Ertrag ausgelegte Landwirtschaft entnimmt nahezu alle im Boden verfügbaren Nährstoffe. Die dadurch sinkenden Erträge werden i.d.R. durch Zugabe von Dünger kompensiert. Seit langem sind aber praktische und bezahlbare Maßnahmen bekannt, diesen Verlust zu stoppen und sogar zu einem Wiederaufbau umzukehren - ohne dabei Einbußen beim Ertrag zu erwarten.

Was fehlt, sind einerseits ernsthafte Subventionen und Programme der Landwirtschaftsbehörden. Andererseits brauchen wir auch eine klimaförderliche Umstellung der Ausbildung an den landwirtschaftlichen Berufs- und Hochschulen.

Forderung

Wir schlagen vor, einen wesentlichen Teil der Agrarsubventionen in die nachhaltige Umstellung der Landwirtschaft zu investieren, mit dem Ziel effektive Methoden zum Humusaufbau zu fördern. Damit würde man die Landwirtschaft zukunftsfähig gestalten und nebenbei einen effektiven und natürlichen CO2-Speicher – unsere Ackerböden – wieder auffüllen.

Eine dieser Methoden ist die Anreicherung des Bodens mit Kohlenstoff durch Zugabe von Pflanzenkohle, die mit Nährstoffen (z.B. durch Gülle) aufgeladen wurde. Ohne Aufwand ist dies direkt in Viehbetrieben möglich:

1) Bei frühzeitiger Vermischung von Pflanzenkohle mit Gülle verhindert die hohe chemische Bindungsfähigkeit der Kohle die Ammoniak-Ausgasung direkt im Stall, reduziert dadurch effektiv Gerüche und erhöht den Nährstoff-Gehalt des Gemischs.

2) Bei Ausbringung auf dem Acker dient die Kohle dann in Kombination mit anderen Methoden (z.B. Dauerbegrünung und pfluglose Bodenbearbeitung) als zusätzlicher Katalysator zum Humusaufbau und speichert durch die hohe chemische Bindungsfähigkeit wesentlich mehr Nährstoffe und Wasser im Boden.

3) Bei den natürlich vorkommenden Verwesungsprozessen im Boden werden durch zugesetzte Pflanzenkohle auch Treibhausgase wie CO2, Methan und Lachgas in der Kohle gebunden.

4) Im Boden verhindert die Pflanzenkohle zusätzlich die Nitrat-Auswaschung ins Grundwasser.

Es handelt sich also um eine mehrdimensionale Klimaschutz-Wirkung durch eine einzige Methode. Die dafür benötigte Masse an Pflanzenkohle soll ausschließlich aus Rest-Biomasse erzeugt werden, die sonst verwesen würde, oder zur Verbrennung vorgesehen ist. Es gibt in Deutschland genügend Biomasse, um alle CO2-Emissionen zu binden, doch wird ein Großteil davon heute für Kraftstoffe, Biogas und die Energieerzeugung genutzt.

Kosten

Aktuell belaufen sich die Kosten für 1 Tonne nachhaltig produzierter Pflanzenkohle auf ca. 400 Euro. Dies liegt auch daran, dass es hierzu nur wenige Hersteller gibt. Eine flächendeckende regionale Produktion vor Ort könnte die Produktionskosten deutlich senken, insbesondere durch die Reduktion von Transportwegen. Es ist realistisch, dass Produktionsstätten durch Kommunen finanziert und betrieben werden, idealerweise in Ortsnähe zu städtischen Forstämtern und Abfallbetrieben. Hier kann nicht nur die bereits vorhandene Biomasse genutzt werden, sondern auch die zusätzlich erzeugte Abwärme sinnvoll andere Heizkraftwerke unterstützen (da eine industrielle Verkohlungsanlage kostenlos Abwärme produziert). In Stockholm, wo bereits seit 2017 eine Anlage steht, wird die Abwärme ins Fernwärmenetz gespeist und heizt bereits 80 Einfamilienhäuser ([7], Quelle: Stockholm Biochar Project).

Finanzierungsvorschlag

Eine Anschubfinanzierung muss über regionale und überregionale Förderprogramme (aus Töpfen für Landwirtschaft und Klimaschutz) erfolgen. Die Anlagen tragen sich danach finanziell selbständig, erzeugen Kohle und Wärme rund um die Uhr und sind technisch einfach, robust und rentabel. Die Kohle kann direkt an die umliegenden Landwirt*innen zu niedrigen Preisen abgegeben werden, wenn sie nachweisen, dass sie diese im Stall oder über eine anderweitige Kompostierung im Boden verwenden.

Arbeitsweise

Dieses Thema muss national oder besser europaweit politisch forciert werden und in einem Klimaplan verankert werden. Derzeit gibt es noch keine CO2-Zertifikate für die Landwirtschaft oder andere Anreizsysteme zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, siehe Problembeschreibung. Dazu muss aber zuerst ein öffentliches Interesse erzeugt werden, das durch progressive Parteien wie DiB vorangetrieben wird.

Folgende Vereine und Institutionen unterstützen das Thema durch wissenschaftlich fundierte Studien und Nachweise:

[1] https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaeche-boden-land-oekosysteme/boden/humusstatus-der-boeden

[2] https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/internationale-agrarpolitik/der-boden-der-lebensvielfalt/boden-bulletin/

[3] https://www.earthobservatory.nasa.gov/features/CarbonCycle

[4] https://www.4p1000.org/#title356

[5] https://www.wur.nl/en/article/4-per-mille-statement-from-Research-institutions.htm

[6] https://soilsolution.org/

[7] https://biochar.international/launch-stockholm-biochar-project-pyrolysis-pilot-plant-march-2017/

Argument der Initiator*innen

Dieses Thema könnte als Leuchtturm-Thema verwendet werden: "Wir schaffen den Klimawandel ab." Zur Europawahl könnte das Thema als Schnittmenge zu Kooperationspartner*innen genutzt werden, um große Medienwirksamkeit und ein gemeinsames erstes Ziel zu finden!

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PRO
Innovation für Klimawandel
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PRO
Insgesamt ein sehr guter Ansatz. Könnt ihr noch darstellen, wie die Pflanzkohle hergestellt wird?
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KONTRA
Monokulturen abschaffe - Fruchtfolge einhalten
Es wurden keine Vorschläge eingebracht.