Flächendeckender muttersprachlicher Unterricht

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt. - Ludwig Wittgenstein

Diese Initiative wurde angenommen.

Initiator*innen
Kaan Kilicaslan
Jörn Gühl
Thomas Klähn
Veröffentlicht am
29. Juni 2017
Bereich
Vielfältige, weltoffene und inklusive Gesellschaft
Einordnung
Einzelinitiative
Ebene
Bund
Ergebnis der Abstimmung

Diese Initiative wurde angenommen.

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95 Personen haben an dieser Abstimmung teilgenommen.

Das waren 25 Prozent aller 376 Abstimmungsberechtigten.

Text der Initiative

Wir wollen mit dieser Initiative erwirken, dass (wieder) ein muttersprachlicher Unterricht eingeführt wird. Dieser soll flächendeckend und evtl. nach österreichischem Vorbild gestaltet werden. Kindern soll ab dem Vorschulalter die Möglichkeit gegeben werden, in ihrer häuslichen Sprache zu lernen und diese weiterzuentwickeln.

Dies würde eine schnellere Alphabetisierung ermöglichen und die Mehrsprachigkeit, die weltweit den Normalzustand darstellt, fördern. Nicht nur die Kinder, sondern die gesamte Gesellschaft könnten hiervon profitieren. Die Sprachen der neu Zugewanderten und der Migranten würden aus dem “Ghetto” gezogen und der Zugang zur deutschen Sprache durch fundierte Kenntnisse in der Muttersprache erleichtert werden. Dies würde über eine bessere Integration der Zuwanderer-Kinder die deutsche Sprache sowie das deutsche Wertesystem auch deren Familien näherbringen. Das Programm soll nicht in Konkurrenz zur bereits stattfindenden und auszubauenden Sprachförderung aller Kinder (ob deutscher oder anderer Herkunft) in Kita und Schule stehen sondern diese Ergänzen und effektiver machen.

Problembeschreibung

Kinder mit Flucht- oder Migrationshintergrund haben oft Probleme beim Erlernen der deutschen Sprache. Ein Grund hierfür ist, dass sie ihre eigene Muttersprache gar nicht richtig beherrschen. Die Wissenschaft redet hier von Semilingualismus, also der "Halbsprachigkeit". Diese Kinder verfügen dann weder in ihrer Muttersprache, noch in der deutschen Sprache über ausreichende Kenntnisse. Momentan findet an einigen Schulen und Universitäten nur ein durch ausländische Konsulate organisierter Unterricht statt. Auf diese Weise hat der deutsche Staat weder Einfluss noch Kontrolle über den vermittelten Lerninhalt, ein unhaltbarer Zustand.

Wir schlagen daher vor, dass einen flächendeckenden muttersprachlichen Unterricht einzuführen, in dem die Kinder die Formalien ihrer Muttersprache erlernen und mit dieser Kenntnis einen leichteren Zugang zur deutschen Sprache finden.

Forderung

Die Kernforderung ist, dass Kindern ab der Vorschule die Möglichkeit geboten wird, in ihrer Muttersprache zu lernen und diese umfassend weiterzuentwickeln. Hierzu werden Sprachlehrer an deutschen Universitäten ausgebildet und Klassen von mindestens 6 bis 10 Kindern einer Jahrgangsstufe zur Sprachvermittlung zur Verfügung gestellt. Der Umfang des Unterrichts sollte mindestens zweimal pro Woche jeweils 90 Minuten betragen.

Heimatsprachen sollen wieder als Kultursprachen/Bildungssprachen wahrgenommen werden. Sie sollen aus der Marginalisierung herausgeholt und als wichtiger Teilaspekt der Identität der Kinder gestärkt werden.

Innerhalb des Sprachunterrichts soll aber auch der Bezug zu Deutschland und dessen Gesellschaft vermittelt werden. Es soll keine “Länderkunde” in Reinform stattfinden, sondern Parallelen zwischen der bekannten familiären Umgebung/Kultur und der gesamtdeutschen Lebensweise gezogen werden. Hierzu ist es notwendig, dass die Unterrichtenden sich mit den Werten des Grundgesetzes und der deutschen Kultur identifizieren.

Wenn und wo möglich, soll in das Programm gezielte und fundierte Elternarbeit integriert werden. So bekommen auch Familien Unterstützung. Es entwickeln sich Kontakte nach außen und die Eltern fühlen sich in ihrem Lebensstatus angenommen. Sprachkurse (Deutsch) für Mütter etc. parallel zu den Einheiten der Kinder könnten initiiert werden. Niederschwellige Beratungs- und Hilfsangebote können hier sehr gut ergänzend ansetzen.

Kosten

  • Ausbildung von Lehrkräften
  • Mehraufwand in Organisation/Bürokratie
  • Lehrbücher
  • Lehrmaterial erstellen

Finanzierungsvorschlag

Die Finanzierung kann für eine dreijährige Pilotphase über eine Projektförderung beim Bildungsministerium erfolgen und dann anschließend mit Hilfe des Steuerüberschusses als Regelangebot in den Bildungshaushalt aufgenommen werden.

Arbeitsweise

Fachliteratur:

  • Dittmann, Alina/Giblak, Beata/Witt, Monika: Bildungsziel: Mehrsprachigkeit. Leipzig, 2015
  • Peterson, John: Sprache und Migration. Heidelberg, 2015

Querverweise: http://www.schule-mehrsprachig.at/ (Webseite des österreichischen Bundesminiseriums für Bildung bzgl. muttersprachlicher Unterricht)

Argument der Initiator*innen

Kinder die Deutsch nicht als Muttersprache haben, sollen gefördert werden, indem sie ihre Muttersprache als Ausgangssprache "richtig" lernen und dadurch Deutsch als Fremdsprache besser erfasst werden kann. Dies dient der Sicherung des "gleiche Chancen für alle"-Prinzips. Bilingualität kann nur gelingen, wenn die Muttersprache korrekt erlernt wird.

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KONTRA
Wer sollte wirklich die Unterstützung bekommen?
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KONTRA
"gleiche Chance für alle" gilt auch für Babel
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KONTRA
Nicht förderlich für die Integration
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KONTRA
"Klassen von mindestens 6 bis 10 Kindern einer Jahrgangsstufe"
Es wurden keine Vorschläge eingebracht.