Für eine selbstbestimmte und individuell betreute Geburt

Die durch eine Hebamme individuell betreute und frei gewählte Geburt ist für immer mehr Frauen nicht möglich. Unsere Initiative soll diesen Trend aufhalten!

Diese Initiative wurde angenommen.

Initiator*innen
Alexander Plitsch
Anne Isakowitsch
Raja Köbke
Veröffentlicht am
1. Juli 2017
Bereich
Gerechtigkeit und Verantwortung füreinander
Einordnung
Einzellinitiatve
Ebene
Bund
Ergebnis der Abstimmung

Diese Initiative wurde angenommen.

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86 Personen haben an dieser Abstimmung teilgenommen.

Das waren 22 Prozent aller 385 Abstimmungsberechtigten.

Text der Initiative

Die Geburt ist ein prägendes Ereignis für Kind und Eltern. Mit der Wahl eines guten Geburtsortes und einer achtsamen, liebevollen Geburtsvorbereitung und -begleitung können wir den Rahmen für eine schöne und sichere Geburt schaffen. Leider entwickelt sich die Geburtshilfe in Deutschland seit Jahren in eine Richtung, die diesem Bedürfnis nicht entspricht: Weg von Wahlfreiheit und Geborgenheit, hin zur "Einheitsgeburt" im Krankenhaus.

Deswegen machen wir uns stark für eine menschliche Geburtshilfe, um diesen entscheidenden Moment im Sinne der Bedürfnisse von Mutter und Kind zu gestalten. Nicht wirtschaftliche Interessen von Klinikkonzernen und Krankenkassen, sondern das Wohlergehen der Familien und die Selbstbestimmtheit der Mütter müssen an oberster Stelle stehen.

Problembeschreibung

  • Viele kleinere und dezentrale Kreißsäle schließen. Für viele Eltern bleibt nur die große, anonyme Geburtsklinik, manchmal zig Kilometer von zuhause entfernt. Die Betreuung dort wird immer unpersönlicher, die Überwachung durch Maschinen immer gängiger. Teils betreut eine Hebamme zwei oder drei Geburten gleichzeitig.

  • Es gibt immer weniger freiberuflich arbeitende Hebammen: Die persönliche Betreuung vor der Geburt und im Wochenbett leidet stark, Hausgeburten können häufig nicht mehr angeboten werden, Geburtshäuser müssen schließen.

  • Den Hebammen werden u.a. von den Krankenkassen zunehmend ihre Kompetenzen abgesprochen. Gleichzeitig werden sie in ihren Verantwortungsbereichen beschnitten.

  • Die Zahl der Kaiserschnitte und sonstigen Eingriffe in den Geburtsverlauf steigt an, einem natürlichen Geburtsverlauf wird immer weniger Zeit und Raum gegeben.

  • Gewalt unter der Geburt ist ein traumatisches Erlebnis für viele Frauen und Babys. Ohne persönliche und individuelle Betreuung und Begleitung der Geburt steigt das Risiko für solche Vorfälle.

Forderung

Wir wollen eine hochwertige, sichere und individuelle Geburtshilfe für alle Gebärenden. Dazu gehört unter anderem:

  • Eine wohnortnahe Geburtshilfe muss flächendeckend gewährleistet werden. Dazu gehört auch die Betreuung durch Hebammen vor der Geburt und im Wochenbett sowie die freie Wahl von Alternativen zur Klinikgeburt.

  • Eine individuelle Begleitung der Geburt erfordert in ihren wichtigsten Phasen eine 1:1-Betreuung durch eine Hebamme im Dienste der werdenden Mutter/der werdenden Eltern. Außerklinische Geburt sollte nicht ein Privileg Wohlhabender sein Wie bei der klinischen Geburt sollten die Kosten komplett von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

  • Eine zu geringe Bezahlung und unangemessene Versicherungskosten senken derzeit die Attraktivität des Hebammen-Berufs. Diese Rahmenbedingungen müssen dringend verbessert werden. Um die stark angestiegenen Kosten der Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen in den Griff zu bekommen, schlagen wir die Festlegung einer Haftungsobergrenze und die Einrichtung eines öffentlich finanzierten Haftungsfonds vor, aus dem Schäden oberhalb der Grenze beglichen werden. Der Sozialstaat sollte sich in der Verantwortung sehen, Familien und Geburtshelfer/innen solidarisch beizustehen.

  • Das Thema der “Gewalt unter der Geburt” gehört auf die gesundheitspolitische Agenda: Es gilt, alle Beteiligten zu sensibilisieren, damit Stress, Zeitdruck, Überforderung, ökonomische Vorgaben und andere Rahmenbedingungen, die sich negativ auf das Geburtserlebnis auswirken können, bewusst im Sinne des Wohles von Mutter und Kind verändert werden.

Kosten

Wir halten es für ein großes Problem, dass Neugeborene schon vor ihrer Geburt zum Teil eines Wirtschaftskreislaufs werden, der nicht auf Bedarf, sondern auf Ertrag ausgelegt ist. Wahlfreiheit und Selbstbestimmtheit dürfen nicht der ökonomischen Logik zum Opfer fallen.

Das Kalkulationsmodell für die Geburtshilfe soll deshalb verändert werden, damit auch außerklinische Geburten und kleinere Kreißsäle finanzierbar bleiben.

Ein neuer Kostenpunkt ist der einzurichtende Haftungsfonds zur Abdeckung hoher Haftungsschäden.

Finanzierungsvorschlag

Die Finanzierung erfolgt durch die Krankenkassen.

Der solidarische Haftungsfonds müsste durch Steuermittel finanziert werden.

Arbeitsweise

Informationen stammen unter anderem vom Deutschen Hebammenverband, von der Deutschen Krankenhausgesellschaft sowie aus dem Ärzteblatt.

Zum Haftungsfonds: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw19-de-hebammen/421628

Argument der Initiator*innen

Nicht wirtschaftliche Interessen von Klinikkonzernen und Krankenkassen, sondern das Wohlergehen der Familien und die Selbstbestimmtheit der Mütter müssen an oberster Stelle stehen, wenn es um politische Rahmenbedingungen der Geburtshilfe geht.

"Denn es ist nicht egal, wie wir geboren werden. Und es ist auch nicht egal, wie wir gebären." (Nora Imlau)